RKI Verpackung der Instrumente
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Sterilgutverpackung: Instrumente korrekt verpacken
Die Verpackung kritischer Instrumente sichert ihre Sterilität bis zur Anwendung. Sie bildet das Sterilbarrieresystem (SBS), das nach der Sterilisation Staub, Feuchtigkeit und Keime fernhält. Verpackungsmaterial muss die Anforderungen der DIN EN ISO 11607-1 (bzw. der DIN EN 868-Reihe) erfüllen und vom Hersteller für das gewählte Sterilisationsverfahren (z. B. Dampf bei 134 Grad C) als geeignet ausgewiesen sein; der Siegelprozess ist nach DIN EN ISO 11607-2 zu validieren.
1Was ist ein Sterilbarrieresystem (SBS)?
Ein SBS ist die geschlossene Verpackung, die das sterile Instrument bis zur Anwendung vor Rekontamination schützt (z. B. Klarsicht-Sterilverpackung oder Container). Es muss eine Keimbarriere bilden, den Dampf durchlassen und sich später aseptisch öffnen lassen. Anforderungen an Materialien und Prozess regeln DIN EN ISO 11607-1 (Materialien/Systeme) und -2 (Validierung des Verpackungsprozesses).
Quellen: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.4; DIN EN ISO 11607-1/-2; DGSV-Leitlinie zur Validierung der Verpackungsprozesse.2Die gängigen Verpackungsarten
| Verpackungsart | Eignung & Anforderungen |
|---|---|
| Sterilisationspapierrollen (mit Siegelgerät) | Größe individuell zuschneidbar; ideal für größere Instrumente/Sets. Faltenfreie Siegelnaht (≥ 6 mm breit), Abstand Siegelnaht–Instrument ≥ 30 mm (3 cm); gibt der Hersteller höhere Werte vor, gilt die Herstellerangabe. |
| Selbstsiegelnde Beutel | Praktisch (nur verkleben), Inhalt durch Klarsichtfolie erkennbar; für kleinere Instrumente. Faltenfreie Naht, Überstand ≥ 1 cm, Beschriftung mit lösemittelfreiem Stift außerhalb der Siegelnaht. |
| Sterilisationscontainer | Schützt Sets/OP-Instrumente besonders gut. Instrumente in fusselfreies Tuch einschlagen; Einwegfilter vor jedem Einsatz wechseln, Mehrwegfilter warten und dokumentieren; Dampfzugänge frei; für die Lagerung versiegeln/verriegeln/verplomben. |
| Krepp-/Vlies-Bögen | Formbar, ideal für unregelmäßige Instrumente und gemischte Sets; Schutzkappen gegen Durchstoßen scharfer/spitzer Spitzen. |
3Die Siegelnaht – und warum sie geprüft werden muss
Die Siegelnaht ist die kritischste Stelle der Verpackung. Sie muss durchgängig, faltenfrei und fest sein. Ein validierter Siegelprozess (Temperatur, Anpressdruck, Geschwindigkeit) ist nach DIN EN ISO 11607-2 nachzuweisen. Im Routinebetrieb prüfen Sie die Naht regelmäßig:
Täglich: Seal-Check / Tinten-Test, Sichtprüfung der Naht (gleichmäßiger Kontrast, scharfe Konturen) und Peeltest (Papier löst sich nahezu rückstandslos von der Folie).
Regelmäßig: Prüfung der Zugfestigkeit der Naht.
Passenden Klasse-B-Autoklaven finden
Wichtige Zusatzpunkte gemäß RKI & Normen
Diese Punkte werden in der Praxis häufig übersehen, sind aber für die korrekte und rechtssichere Umsetzung wichtig:
- Prozess-/Behandlungsindikator auf der Verpackung: Verwenden Sie Sterilisationsverpackungen mit integriertem Prozessindikator (Behandlungsindikator) oder bringen Sie einen solchen an. Er zeigt durch Farbumschlag, dass die Verpackung den Sterilisationsprozess durchlaufen hat, und unterscheidet behandeltes von unbehandeltem Sterilgut. Die Sichtprüfung des Indikators ist Teil der chargenbezogenen Prüfungen und der Freigabe.Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Anhang 'Hinweise zum Einsatz von chemischen Indikatoren' (Prozessindikatoren Klasse 1) sowie Abschn. 2.2.6 (Prozessindikatoren bei der Kennzeichnung)
- Kennzeichnung im Zuge von Sterilisation und Freigabe: Beim Verpacken kann eine unkritische Vorbeschriftung (z. B. Inhalt) außerhalb der Siegelnaht und nur auf der Papierseite erfolgen. Die kennzeichnungsrelevanten Angaben - Sterilisierdatum bzw. Chargenkennzeichnung, gegebenenfalls Verfalldatum oder Sterilgutlagerfrist sowie die Freigabeentscheidung - werden im Zuge der Sterilisation und Freigabe auf der Verpackung dokumentiert, nicht vorab beim Packen. Diese chargen- und freigabebezogene Dokumentation (Chargendokumentation) erledigen Sie mit der kostenlosen ClavioSoft in wenigen Klicks - revisionssicher abgelegt.Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.6 (Kennzeichnung: Sterilisierdatum, Chargenkennzeichnung, Verfalldatum, Sterilgutlagerfrist, Freigabeentscheidung)
- Pflichtprüfung der Verpackung unmittelbar vor der Anwendung: Unabhängig von den chargenbezogenen Prüfungen besteht die Verpflichtung, die Verpackung unmittelbar vor jeder Anwendung erneut zu kontrollieren (Trockenheit, Unversehrtheit, intakte Siegelnähte, gültige Kennzeichnung). Ist die Verpackung beschädigt, feucht oder die Kennzeichnung ungültig, darf das Instrument nicht verwendet, sondern muss neu aufbereitet und verpackt werden.Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.4 ('Verpflichtung zur Prüfung unmittelbar vor der Anwendung') und Anlage 4 (Chargenbezogene Prüfungen - Sichtprüfung der Verpackung: Trockenheit, Unversehrtheit, Intaktheit der Siegelnähte, vollständige Kennzeichnung)
- Sterilgutlagerfrist abhängig von Verpackung und Lagerbedingungen: Sterilgut ist staubgeschützt, sauber, trocken und bei Raumtemperatur zu lagern. Die zulässige Lagerdauer hängt von der Qualität des Verpackungsmaterials, der Dichtigkeit der Siegelnähte und den Lagerbedingungen ab; unter günstigen Bedingungen sind Lagerfristen von über sechs Monaten möglich. Legen Sie die Frist einrichtungsintern fest und berücksichtigen Sie die Angaben der Hersteller von Medizinprodukt und Verpackungsmaterial.Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 3 (Transport und Lagerung): staubgeschützt/sauber/trocken, Lagerdauer abhängig von Verpackungsqualität, Siegelnahtdichtigkeit und Lagerbedingungen, Lagerfristen über sechs Monaten denkbar
- Trockenheit des Sterilguts vor dem Verpacken: Verpackt werden dürfen nur vollständig gereinigte, desinfizierte und getrocknete Instrumente. Restfeuchte unter der Folie gefährdet die Sterilbarriere und die Lagerfrist und kann zu Korrosion führen. Kontrollieren Sie vor dem Verpacken Sauberkeit, Trockenheit und Funktionsfähigkeit (z. B. Gelenkinstrumente geöffnet ablegen).Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.1/2.2.4 (unzureichende Trocknung als Fehlerquelle; Sichtprüfung auf Trockenheit) und Anlage 4 (Instrumente mit geöffneten Gelenken/Scharnieren ablegen)
- Verpackungsprozess als validierter, in einer SOP geregelter Teil des Gesamtprozesses: Der Verpackungsschritt ist Teil des nach MPBetreibV mit geeigneten validierten Verfahren und durch Personal mit der erforderlichen Sachkenntnis durchzuführenden Aufbereitungsprozesses und in einer Standardarbeitsanweisung (SOP) festzulegen. Heißsiegelgeräte sind zu validieren und herstellerkonform zu warten; die kritischen Parameter (insbesondere Temperatur und Anpressdruck) sind einzustellen und zu dokumentieren. Die SOP und die laufende Dokumentation lassen sich mit der kostenlosen ClavioSoft schnell und einfach verwalten.Quelle: MPBetreibV (Aufbereitung mit validierten Verfahren); KRINKO/BfArM 2012, Anlage 4 (Heißsiegelgeräte: kritische Prozessparameter Temperatur und Anpressdruck, Bedienungsanleitung muss vorliegen; Standardarbeitsanweisung erstellen); DIN EN ISO 11607-2
Benötigte Geräte, Verbrauchsmaterialien & Zubehör
Checkliste für diesen Arbeitsschritt – das sollten Sie bereithalten (Einkaufsliste):
Geräte
- Validierbares Heißsiegelgerät mit einstellbarer Temperatur und Anpressdruck; für höheres Aufkommen ein Durchlauf-Siegelgerät mit automatischer Schneidefunktion Hier im Shop bestellen
- Klasse-B-Autoklav (Dampfsterilisator nach DIN EN 13060) als nachgelagerter Prozessschritt; das Verpackungsmaterial muss für dessen Verfahren geeignet sein Hier im Shop bestellen
- Packplatz im reinen Bereich mit guter Beleuchtung für die Sichtprüfung der Siegelnaht
Verbrauchsmaterialien
- Selbstsiegelnde Sterilisations-Klarsichtbeutel in verschiedenen Größen für kleine Einzelinstrumente Hier im Shop bestellen
- Sterilisations-Klarsichtrollen (Papier/Folie) zum individuellen Zuschneiden für größere Instrumente und Sets Hier im Shop bestellen
- Krepp-/Vlies-Sterilisierbögen für unregelmäßige Instrumente und gemischte Sets
- Containerfilter (Einwegfilter vor jedem Einsatz wechseln bzw. Mehrwegfilter warten) für Sterilisationscontainer Hier im Shop bestellen
- Fusselfreie Tücher zum Einschlagen von Set-Instrumenten im Container
- Lösemittelfreie, abriebfeste Sterilisationsstifte (Beschriftung nur auf der Papierseite, außerhalb der Naht) Hier im Shop bestellen
- Verpackungen mit integriertem Prozessindikator oder separate Prozessindikatoren Hier im Shop bestellen
- Schutzkappen oder Schutzpapier für scharfe/spitze Instrumentenspitzen (autoklavierbar) Hier im Shop bestellen
Zubehör
- Seal-Check-/Tintentest-Streifen und Peeltest-Material für die tägliche Siegelnahtkontrolle Hier im Shop bestellen
- Prüfmittel bzw. Service für die regelmäßige Prüfung der Zugfestigkeit der Naht (im Rahmen von Wartung/Revalidierung) Hier im Shop bestellen
- Validierungs- und Wartungsvertrag für das Siegelgerät (Erstvalidierung, Intervallwartung nach Herstellervorgabe) Hier im Shop bestellen Validierung beauftragen
- Sterilisationscontainer mit Deckel-/Filterhalterung und Verschluss-/Verriegelungssystem für Lagerung und Transport Hier im Shop bestellen
- Muster-Siebliste bzw. Packschema-Vorlage zur Dokumentation von Inhalt und Aufbau jedes Siebs/Sets Digital mit ClavioSoft erstellen
- Standardarbeitsanweisung 'Verpackung' sowie Dokumentations-/Freigabesoftware oder -formulare Hier im Shop bestellen Digital mit ClavioSoft erstellen
- Staubgeschützter, geschlossener Lagerschrank oder Schublade für das verpackte Sterilgut
Vorlagen & Quellen
- KRINKO/BfArM 2012, Bundesgesundheitsbl. 55:1244–1310 – Abschn. 2.2.4.
- DIN EN ISO 11607-1/-2; DGSV-Leitlinie zur Validierung der Verpackungsprozesse.
- DIN 58953 (Sterilgutversorgung); Checkliste Routinebetrieb Siegelgeräte; MPBetreibV § 8.
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Häufige Fragen zur Sterilgutverpackung
Die wichtigsten Fragen und fachlich fundierten Antworten zur Sterilgutverpackung – auf Basis von RKI/KRINKO und den einschlägigen Normen.