RKI Sterilisation im Autoklav
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Sterilisation im Autoklav der Klasse B
Die Sterilisation im Autoklaven ist der entscheidende Schritt, der das aufbereitete, verpackte Medizinprodukt in den sterilen Zustand überführt und ein Sterilitätssicherheitsniveau (SAL) von 10-6 erreicht – Voraussetzung sind korrekt durchgeführte vorgelagerte Reinigung, Desinfektion, Trocknung und Verpackung. Für verpackte und hohlraumhaltige (kritische) Instrumente ist der Dampf-Sterilisator der Klasse B nach DIN EN 13060 der sichere Standard.
1Warum Klasse B?
Ein Sterilisator der Klasse B arbeitet mit fraktioniertem Vakuum: Vor der Sterilisation wird die Luft mehrfach abgesaugt, sodass der Sattdampf auch enge Lumen, Hohlräume und verpackte Instrumente vollständig erreicht. Damit deckt Klasse B das gesamte Spektrum dampfsterilisierbarer Medizinprodukte ab (massiv, porös, Hohlkörper, verpackt – auch kritisch B). Nicht hitze-/dampfbeständige (thermolabile) Produkte sind ausgenommen; maßgeblich sind die Aufbereitungsangaben des jeweiligen Instrumentenherstellers (bereitgestellt nach DIN EN ISO 17664). Geräte der Klasse S sind nur für ein eingeschränktes, vom Hersteller definiertes Spektrum zugelassen.
Quellen: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.5; DIN EN 13060 (Dampf-Kleinsterilisatoren, Klassen B/S/N).2Beladung vorbereiten
· Instrumente auf Trays oder in Sterilisierbehälter legen.
· Verpackte Instrumente in Klarsicht-Sterilverpackung, Sterilisierpapier oder Container.
· Unverpackte, massive und schwere Instrumente separat platzieren.
· Trennung: oben die verpackten, unten die unverpackten/schweren Instrumente.
· Einsätze für die vertikale Anordnung nutzen, um den Platz optimal auszunutzen.
Beladungsregeln
· Klarsichtfolie nach oben: bei Papier-Folien-Verpackungen zeigt die Folienseite nach oben (Kondensat-Abfluss).
· Kein direktes Schichten Papier-auf-Plastik; Verpackungen dürfen sich höchstens zu 2/3 überlappen.
· Freiraum sicherstellen: der Dampf muss jedes Instrument vollständig umströmen können – nicht überladen.
3Wasserqualität
Das Speisewasser muss die Grenzwerte für Dampferzeuger-Speisewasser nach DIN EN 13060 (in Anlehnung an DIN EN 285) erfüllen, u. a. niedrige Leitfähigkeit und geringe Härte. Geeignet ist destilliertes oder vollentsalztes (demineralisiertes) Wasser; Leitungswasser ist ungeeignet und führt zu Flecken, Korrosion und Störmeldungen. Eine Wasseraufbereitung (z. B. AQUAdem) liefert konstant geeignete Qualität.
4Sterilisationsprogramme
| Programm | Einsatz |
|---|---|
| 134 °C, verpackt (Universal) | Standard für verpackte Instrumente und Mischbeladungen; Haltezeit (Plateauzeit) mindestens 5 Min gemäß KRINKO/BfArM, im Übrigen nach validiertem Verfahren und Herstellerangaben. |
| 134 °C, unverpackt (Festkörper) | für unverpackte, massive Instrumente. |
| 121 °C | für temperaturempfindliche Produkte (nach Herstellerfreigabe). |
| Prionen-Programm 134 °C | bei Prionen-/TSE-Risiko: Haltezeit 18 Min im Anschluss an ein geeignetes (partiell prioninaktivierendes) Reinigungsverfahren; die Dampfsterilisation hat hier nur begrenzte Wirkung und ist Teil eines abgestimmten Maßnahmenbündels. |
5Nach der Sterilisation
Die dokumentierte Freigabe kritischer Instrumente erfolgt durch eine schriftlich autorisierte Person auf Basis: Übereinstimmung von Beladung/Prozessparametern mit der durch die Validierung vorgegebenen Konfiguration, Auswertung der chargenbezogenen Indikatoren (Behandlungsindikator Kl. 1; für kritisch B zusätzlich ein PCD, z. B. Helixtest, Kl. 2), Sichtprüfung der Verpackung (Trockenheit, Unversehrtheit, intakte Siegelnähte) und Prüfung der vollständigen Kennzeichnung. Charge, Datum und Freigabe des Sterilguts werden in der Chargendokumentation erfasst und archiviert (siehe Schritt 7: Freigabe & Dokumentation). Diese Freigabe-Dokumentation erledigen Sie mit der kostenlosen ClavioSoft in wenigen Klicks – inkl. revisionssicherer Ablage.
Passenden Klasse-B-Autoklaven finden
Wichtige Zusatzpunkte gemäß RKI & Normen
Diese Punkte werden in der Praxis häufig übersehen, sind aber für die korrekte und rechtssichere Umsetzung wichtig:
- Validierung als Voraussetzung des Routinebetriebs (MPBetreibV § 8): Voraussetzung jedes Routinebetriebs ist ein validiertes Sterilisationsverfahren: Die Aufbereitung kritischer Medizinprodukte ist mit geeigneten, validierten Verfahren durchzuführen (MPBetreibV § 8). Dazu gehören die Erstvalidierung (Installations-, Funktions- und Leistungsqualifikation) am Aufstellort, eine periodische erneute Leistungsqualifikation sowie eine erneute Validierung nach wesentlichen Änderungen; jede Charge wird gegen die durch die Validierung vorgegebene Konfiguration abgeglichen.Quelle: MPBetreibV § 8; KRINKO/BfArM 2012 Abschn. 1.3 / Anlage 1; DIN EN ISO 17665
- Arbeitstägliche Routineprüfungen vor dem ersten Sterilisationslauf: Vor dem ersten Sterilisationslauf des Tages sind arbeitstägliche Prüfungen durchzuführen und zu dokumentieren: u. a. Funktionsprüfung, Kontrolle der Registriereinrichtung, ggf. ein Vakuumtest (Dichtheit) sowie ggf. ein Dampfdurchdringungstest mit geeignetem Prüfkörper (PCD; z. B. Bowie-Dick-/Helixtest). Erst nach bestandenen Prüfungen darf Sterilgut produziert werden.Quelle: KRINKO/BfArM 2012 Anlage 7 (Arbeitstägliche Prüfungen); DIN EN ISO 17665-1
- Chargenbezogene Kontrolle und PCD/Helixtest für kritisch B: Jede Charge ist zu überwachen und chargenbezogen zu dokumentieren: Übereinstimmung der Beladung mit der validierten Konfiguration, Auswertung des Behandlungsindikators (Kl. 1), Prüfung der physikalischen Prozessparameter (Zeit, Temperatur, Druck über die Registriereinrichtung) und für kritisch-B-Beladungen zusätzlich ein Prozess-Challenge-Device (PCD), z. B. Helixtest (Indikator Kl. 2).Quelle: KRINKO/BfArM 2012 Anlage 7 (Chargenbezogene Prüfungen: kritisch B mit PCD)
- Trocknung als Prozessbestandteil; Abkühlung vor der Handhabung: Der Sterilisationszyklus umfasst eine Trocknungsphase, die zum vollständigen Prozess gehört und nicht abgeschaltet werden darf. Sterilgut erst nach ausreichender Abkühlung entnehmen und handhaben, um Kondensatbildung und Rekontamination der noch warmen, feuchten Verpackung zu vermeiden. Restfeuchte verhindert die Freigabe.Quelle: DIN EN 13060 (Trocknung als Prozessbestandteil); KRINKO/BfArM 2012 Anlage 7 (Sichtprüfung: Trockenheit der Verpackung)
- Kennzeichnung, Lagerfrist und Rückverfolgbarkeit des Sterilguts: Jede freigegebene Verpackungseinheit ist zu kennzeichnen, u. a. mit Sterilisierdatum, Chargenkennzeichnung und ggf. Sterilgutlagerfrist. Die Lagerfrist richtet sich nach Verpackungsart und Lagerbedingungen (DIN 58953). Die Chargendokumentation muss die Rückverfolgbarkeit bis zur freigebenden Person sicherstellen; diese lückenlose Chargendokumentation führen Sie mit der kostenlosen ClavioSoft komfortabel digital.Quelle: KRINKO/BfArM 2012 Anlage 7 (Kennzeichnung, Chargendokumentation, Freigabe); DIN 58953 (Sterilgutlagerung)
- Sachkunde der ausführenden und freigebenden Person: Sterilisation und Freigabe dürfen nur durch nachweislich sachkundiges Personal erfolgen; die zur Freigabe berechtigten Personen sind schriftlich zu benennen (Autorisierungsliste). Die Anforderungen an die Sachkenntnis sind in KRINKO/BfArM Anlage 6 beschrieben; Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten sollten in Standardarbeitsanweisungen (SOP) festgelegt sein.Quelle: KRINKO/BfArM 2012 Anlage 6 (Sachkenntnis des Personals) und Anlage 7 (Autorisierungsliste/Freigabe)
- Verpackung und Siegelnahtkontrolle (Norm): Sterilbarrieresysteme müssen DIN EN ISO 11607-1 (Verpackung) und der Siegelprozess DIN EN ISO 11607-2 entsprechen; Siegelnähte sind auf Vollständigkeit und Intaktheit zu prüfen. Klarsichtbeutel nicht überfüllen (Faustregel: nicht mehr als ca. drei Viertel befüllen), damit intakte Nähte und eine sichere Dampfdurchdringung gewährleistet sind.Quelle: DIN EN ISO 11607-1/-2 (Verpackung/Siegelprozess); DIN 58953
Benötigte Geräte, Verbrauchsmaterialien & Zubehör
Checkliste für diesen Arbeitsschritt – das sollten Sie bereithalten (Einkaufsliste):
Geräte
- Dampf-Sterilisator (Klasse-B-Autoklav nach DIN EN 13060) mit fraktioniertem Vorvakuum, integrierter Trocknung und Prozessdatenaufzeichnung Hier im Shop bestellen
- Registrier-/Protokolliereinrichtung (integrierter Drucker) bzw. digitale Dokumentationssoftware zur lückenlosen Chargendokumentation Hier im Shop bestellen Digital mit ClavioSoft erstellen
- Wasseraufbereitung zur Bereitstellung von demineralisiertem/vollentsalztem Speisewasser (alternativ Wasserdestilliergerät) Hier im Shop bestellen
- Leitwert-/Leitfähigkeitsmessgerät zur Kontrolle der Speisewasserqualität
- Siegelgerät zur normgerechten Versiegelung der Klarsicht-Sterilverpackung (vorgelagerter Schritt für verpackte Instrumente) Hier im Shop bestellen
Verbrauchsmaterialien
- Destilliertes bzw. demineralisiertes/vollentsalztes Speisewasser geeigneter Qualität (niedrige Leitfähigkeit, kein Leitungs-/Technikwasser) Hier im Shop bestellen
- Klarsicht-Sterilisierverpackung (Papier-Folien-Beutel/-Rollen) und/oder Sterilisierpapier nach DIN EN ISO 11607-1 Hier im Shop bestellen
- Behandlungsindikatoren Klasse 1 (Prozessindikator je Verpackung/Charge) Hier im Shop bestellen
- Prozess-Challenge-Device (PCD) bzw. Helixtest-Indikatoren Klasse 2 für die chargenbezogene Kontrolle kritisch B Hier im Shop bestellen
- Dampfdurchdringungs-/Bowie-Dick-Testpaket bzw. -Indikatoren für die arbeitstägliche Prüfung Hier im Shop bestellen
- Biologische Indikatoren (nur ergänzend, kein Ersatz für Validierung oder physikalische/chemische Routineprüfung)
- Etiketten/Kennzeichnungsmaterial für Sterilisierdatum, Chargenkennzeichnung und Lagerfrist Hier im Shop bestellen
- Verschleißteile: Ersatz-Türdichtung sowie Filter/Kartuschen der Wasseraufbereitung Hier im Shop bestellen
Zubehör
- Trays, Lochtabletts und Sterilisierkörbe (Kammereinsätze) passend zum Gerät Hier im Shop bestellen
- Halter/Einsätze für die vertikale Anordnung verpackter Instrumente (Kondensatabfluss) Hier im Shop bestellen
- Sterilisiercontainer (sofern verwendet) Hier im Shop bestellen
- Validierungsbericht und Referenzbeladungs-Dokumentation (Beladungsmuster mit Foto und Stückliste) am Gerät Validierung beauftragen
- Standardarbeitsanweisungen (SOP), Chargen-/Freigabeprotokolle und Autorisierungsliste der freigabeberechtigten Personen Digital mit ClavioSoft erstellen
- Hitzeschutzhandschuhe und Ablagefläche zum Abkühlen des Sterilguts vor der Handhabung
Vorlagen & Quellen
- KRINKO/BfArM 2012, Bundesgesundheitsbl. 55:1244–1310 – Abschn. 2.2.5.
- DIN EN 13060 (Dampf-Kleinsterilisatoren); DIN EN ISO 17665 (Dampf-Sterilisation).
- MPBetreibV § 8; Beladungsmuster (Referenzbeladung).
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Häufige Fragen zur Sterilisation im Autoklav
Die wichtigsten Fragen und fachlich fundierten Antworten zur Sterilisation im Autoklav – auf Basis von RKI/KRINKO und den einschlägigen Normen.