RKI Die korrekte Vorreinigung
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Die korrekte Vorreinigung von Instrumenten nach RKI
Die Vorreinigung ist der erste Schritt der eigentlichen Aufbereitung: Sie entfernt unmittelbar nach der Anwendung grobe Verschmutzungen wie Blut und Gewebe, bevor diese antrocknen. Erforderlich ist sie immer dann, wenn die Reinigung und Desinfektion nicht unmittelbar erfolgt oder ein Antrocknen droht – praktisch also bei allen mit Blut, Gewebe oder Sekreten kontaminierten Instrumenten. Bei Instrumenten mit erhöhten Anforderungen (Gruppe B) und bei kritischen Instrumenten ist sie besonders wichtig – und sie entscheidet maßgeblich über den Erfolg aller folgenden Schritte.
1Ziel der Vorreinigung
Ziel ist es, grobe organische Rückstände (Blut, Gewebe, Sekrete) zu entfernen, bevor sie antrocknen. Angetrocknete Verschmutzungen lassen sich später kaum noch vollständig lösen und können den Reinigungs- und Sterilisationserfolg gefährden – und damit den gesamten Sterilgutkreislauf. Wichtig: Die Vorreinigung muss nicht-fixierend erfolgen – also ohne hohe, proteinfixierende Temperaturen und ohne eiweißfällende Mittel. Verwenden Sie daher kein heißes Wasser (kalt bis handwarm) und vor der Reinigung keine fixierenden Desinfektionsmittel wie Aldehyde; fixierend wirken laut KRINKO Temperaturen über etwa 55 °C sowie Wirkstoffe wie Aldehyd und Alkohol.
Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.1 (Vorbereitung der Aufbereitung: Vorbehandlung, Sammlung, Vorreinigung, ggf. Zerlegen, Zwischenlagerung und Transport).2Für welche Instrumente ist die Vorreinigung Pflicht?
Eine Vorreinigung ist immer dann erforderlich, wenn die Reinigung und Desinfektion nicht unmittelbar erfolgt oder ein Antrocknen von Blut/Gewebe droht – praktisch also bei allen mit Blut, Gewebe oder Sekreten kontaminierten Instrumenten. Bei kritischen Instrumenten mit erhöhten Anforderungen (Gruppe B) – etwa nicht inspizierbaren engen oder endständigen Lumina, Hohlräumen mit nur einer Öffnung oder schwer zugänglichen, komplexen Oberflächen – ist sie besonders wichtig und muss unmittelbar nach der Anwendung erfolgen, z. B. durch Einlegen in eine geeignete Lösung. Bei unkritischen und einfachen semikritisch-A-Produkten ist sie optional.
3Ablauf der Vorreinigung – Schritt für Schritt
1. Ablegen & vorbereiten: Instrumente nach der Anwendung auf ein Tray oder in einen geeigneten Sammelbehälter legen. Gelenke öffnen, damit keine Verschmutzung in schwer erreichbaren Bereichen verbleibt. Defekte Instrumente aussortieren.
2. Abfälle & Einmalartikel entfernen: Tupfer, Einweghandschuhe etc. gemäß Hygieneplan entsorgen.
3. Kontaminationssicherer Transport: Sammelbehälter abgedeckt/geschlossen in den Aufbereitungsraum bringen.
4. Grobreinigung: grobe Verschmutzungen unter fließendem, kaltem Wasser abspülen; Gelenke ggf. mit einer Kunststoffbürste bearbeiten. Hohlräume gründlich durchspülen.
5. Sammeln für die Hauptreinigung: die vorgereinigten Instrumente in einen sauberen Behälter legen – bereit für Reinigung & Desinfektion.
Beispiel aus dem Praxisalltag
Nach der Behandlung liegen auf dem Tablett eine chirurgische Zange, ein Skalpell und eine Kürette – teils mit Blut und Geweberesten. Sie legen alles in einen Sammelbehälter, öffnen die Gelenke und prüfen jedes Instrument auf Schäden. Gebrauchte Tupfer und Einmalartikel entsorgen Sie nach Hygieneplan, dann verschließen Sie den Behälter und tragen ihn in den Aufbereitungsraum. Dort spülen Sie jedes Instrument unter fließendem kaltem Wasser ab, lösen Rückstände in den Gelenken mit einer Bürste und spülen die Hohlräume der Kürette gründlich durch. Anschließend kommen die Instrumente in einen sauberen Behälter für die Hauptreinigung.
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Wichtige Zusatzpunkte gemäß RKI & Normen
Diese Punkte werden in der Praxis häufig übersehen, sind aber für die korrekte und rechtssichere Umsetzung wichtig:
- Maschinelle Reinigung/Desinfektion als bevorzugter Folgeschritt: Ergänzen, wohin die vorgereinigten Instrumente gehen: Sie werden der nachfolgenden Reinigung und Desinfektion zugeführt – diese erfolgt bevorzugt maschinell im Reinigungs- und Desinfektionsgerät (Thermodesinfektor/RDG), da maschinellen Verfahren laut KRINKO wegen der besseren Standardisierbarkeit, Reproduzierbarkeit und des Arbeitsschutzes der Vorzug zu geben ist.Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.2 ('maschinellen Verfahren ... der Vorzug zu geben ist')
- Zeitnahe Aufbereitung / Festlegung von Entsorgungszeiten: Ergänzen, dass die Aufbereitung möglichst zeitnah nach der Anwendung beginnen soll, um Antrocknen zu vermeiden. Ist das nicht möglich, sind geeignete Entsorgungszeiten festzulegen und das Antrocknen durch eine nicht-fixierende Vorbehandlung (Trocken- oder Nasslagerung) zu überbrücken. Solche Festlegungen halten Sie am einfachsten in Ihrer Standardarbeitsanweisung fest – mit der kostenlosen ClavioSoft erstellen und pflegen Sie diese in wenigen Klicks. (Eine intern häufig genannte Orientierung ist ein Start der maschinellen Aufbereitung innerhalb von etwa 2 Stunden – diese konkrete Zeitangabe stammt aus der internen FAQ, nicht wörtlich aus der KRINKO-Empfehlung.)Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.1 (Festlegung von Entsorgungszeiten, Vermeidung des Antrocknens); interne FAQ (ca. 2 h, RDG)
- Aktives Durchspülen von Lumen/Kanälen unmittelbar nach Anwendung: Ergänzen, dass Lumen, Kanäle und Hohlräume aktiv durchgespült werden müssen (z. B. mit Wasser über Spritze/Spüladapter) und Arbeitskanäle bereits unmittelbar nach der Anwendung gespült werden sollen, da hier die Reinigung nicht durch Inspektion beurteilbar ist und bei sackförmigen Hohlräumen mit nur einer Öffnung nur eine Verdünnung, keine echte Durchspülung möglich ist.Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 1.2.1 (Hohlräume mit nur einer Öffnung, 'nur Verdünnung möglich') und 2.2.1 ('Spülung von Arbeitskanälen unmittelbar nach Anwendung')
- Vermeidung von Materialschädigung/Korrosion und Kristallisation: Ergänzen, dass chemische, mechanische und physikalische Schädigungen der Instrumente durch Vorreinigung, Transport oder Zwischenlagerung vermieden werden müssen – z. B. Kristallisation von Flüssigkeitsresten oder Korrosion. Einwirk-/Standzeiten begrenzen und nur material- und herstellerkonforme Mittel verwenden.Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.1 (Vermeidung chemischer/mechanischer/physikalischer Schädigung, Kristallisation von Flüssigkeitsresten); DIN EN ISO 17664 (Herstellerangaben)
- Herstellerangaben zur Aufbereitung als verbindliche Grundlage: Ergänzen, dass die validierten Aufbereitungsangaben des Instrumentenherstellers für Methode, zulässige Mittel, Temperatur und Zerlegbarkeit maßgeblich sind und vor der Vorreinigung mit dem gewählten Verfahren abgeglichen werden müssen.Quelle: DIN EN ISO 17664 (in KRINKO 2012 mehrfach referenziert, u. a. Abschn. 1.4); MPBetreibV § 8
- Sicherer Umgang mit spitzen/scharfen Instrumenten: Ergänzen, dass spitze und scharfe Instrumente (z. B. Skalpell, scharfer Löffel) beim manuellen Vorreinigen ein erhöhtes Stich-/Schnittrisiko bergen. Sicher und getrennt sammeln, unter Wasserspiegel bürsten (Aerosol-/Spritzvermeidung) und nicht mit der Klinge zum Körper hin hantieren.Quelle: KRINKO/BfArM 2012, Abschn. 2.2.1 (Arbeitsschutz, TRBA 250); Biostoffverordnung i. V. m. TRBA 250
Benötigte Geräte, Verbrauchsmaterialien & Zubehör
Checkliste für diesen Arbeitsschritt – das sollten Sie bereithalten (Einkaufsliste):
Geräte
- Spülbecken/Spülstation mit Kalt- und Handwarmwasser im unreinen Bereich
- Reinigungs- und Desinfektionsgerät (Thermodesinfektor/RDG) als bevorzugter Folgeschritt Hier im Shop bestellen
- Ultraschallreiniger als ergänzender Reinigungsschritt Hier im Shop bestellen
- Wasseraufbereitung für entkalktes/demineralisiertes Wasser (für die Schlussspülung korrosionsempfindlicher Instrumente) Hier im Shop bestellen
Verbrauchsmaterialien
- Nicht-fixierendes, material- und herstellerkonformes Vorbehandlungs-/Vorreinigungsmittel (für eine etwaige Nasslagerung) Hier im Shop bestellen
- Geeignete, stich-/schnittfeste und flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe
- Schutzbrille und flüssigkeitsdichte Schürze/Schutzkittel (bei Spritzgefahr)
- Einmaltücher zum Abwischen grober äußerer Verschmutzungen
- Abwurfbehälter für Einmalartikel und durchstichsichere Behälter für scharfe/spitze Abfälle (gemäß Hygieneplan)
Zubehör
- Weiche Kunststoff-/Nylonbürsten (keine Metallbürsten) für Gelenke und Oberflächen
- Spülpistole/Spritze mit passenden Adaptern zum Durchspülen von Lumen und Kanälen
- Geschlossene, kontaminationssichere Sammel-/Transportbehälter mit Deckel (Lochtrays/Siebschalen) Hier im Shop bestellen
- Sauberer Behälter/Siebschale zur Aufnahme der vorgereinigten Instrumente für die Hauptreinigung Hier im Shop bestellen
- Vorbehandlungswanne mit Deckel für eine definierte Nasslagerung
- Dokumentierte Standardarbeitsanweisung (SOP) zur Vorreinigung am Arbeitsplatz Digital mit ClavioSoft erstellen
Vorlagen & Quellen
- KRINKO/BfArM: „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“, Bundesgesundheitsbl. 2012; 55:1244–1310 – Abschn. 2.2.1.
- Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV), § 8.
- Arbeitsanweisungen der Zahnärztekammer; Standard-Arbeitsanweisung „kritisch B“ (Biostoffverordnung beachtet).
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Häufige Fragen zur Vorreinigung von Instrumenten
Die wichtigsten Fragen und fachlich fundierten Antworten zur Vorreinigung von Instrumenten – auf Basis von RKI/KRINKO und den einschlägigen Normen.