Instrumentenaufbereitung Augenklinik – RKI-konformer Leitfaden

Instrumentenaufbereitung Augenklinik – RKI-konformer Leitfaden

Geräteausstattung für ophthalmologische Einrichtungen nach RKI, KRINKO und MPBetreibV
Augenoperationen und invasive diagnostische Eingriffe stellen besonders hohe Anforderungen an die Sterilhygiene. Das Auge ist eines der empfindlichsten Organe des menschlichen Körpers – Infektionen durch unzureichend aufbereitete Instrumente können schwerwiegende Konsequenzen haben, bis hin zum dauerhaften Sehverlust. Die Instrumentenaufbereitung in der Augenklinik ist daher streng reguliert und folgt den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI), den KRINKO-Leitlinien sowie der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV).
Dieser Leitfaden erläutert, welche Geräte eine ophthalmologische Einrichtung benötigt, warum jedes einzelne Gerät notwendig ist – und welche Produkte sich in der Praxis bewährt haben.

Typische Instrumente in der Augenklinik und ihre RKI-Risikoklassen

Das RKI klassifiziert Medizinprodukte nach dem Infektionsrisiko, das von ihrer Anwendung ausgeht. In der Augenklinik sind zwei Klassen relevant: semikritisch B (Kontakt mit Schleimhäuten) und kritisch C (Kontakt mit sterilen Körperbereichen oder Eindringen in Gewebe). Instrumente der Klasse C müssen zwingend sterilisiert werden.
Ophthalmologische Instrumente und ihre Aufbereitungsanforderungen nach RKI
Instrument Typische Anwendung RKI-Klasse Aufbereitung
Skalpelle & Mikroklingen Hornhaut-, Lid- und Glaukomoperationen Kritisch C Sterilisation
Pinzetten (Kapsel-, Iris-) Kataraktoperationen, Iriseingriffe Kritisch C Sterilisation
Phako-Handstücke & Spülkanülen Phakoemulsifikation (Kataraktchirurgie) Kritisch C Sterilisation inkl. Hohlkörper
Vitrektomie-Instrumente Netzhautchirurgie Kritisch C Sterilisation
Nadelhalter & Scheren Nahtversorgung, Tenotomie Kritisch C Sterilisation
Lidsperrer (Spekulums) Freihalten des Operationsfeldes Kritisch C Sterilisation
Tränenwege-Sonden Tränenwegspülung, Dakryozystorhinostomie Kritisch C Sterilisation
Tonometer-Köpfe Augendruckmessung (Kontakt mit Kornea) Semikritisch B Desinfektion, besser Sterilisation
Kontaktgläser (Gonioskopie) Kammerwinkeluntersuchung Semikritisch B Desinfektion
Besonderheit Hohlkörperinstrumente: Phako-Handstücke und Spülkanülen besitzen enge Lumina (Hohlkanäle). Diese können mit herkömmlicher Dampfsterilisation allein nicht zuverlässig sterilisiert werden, wenn sie nicht zuvor gründlich durchgespült und getrocknet wurden. Die Wahl des richtigen Thermodesinfektors ist daher in der Augenklinik besonders kritisch.

RKI-konformer Aufbereitungsprozess – Schritt für Schritt

Die Aufbereitung folgt einem validierten, gesetzlich vorgeschriebenen Ablauf. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf – Abkürzungen sind nicht zulässig und können zur Ungültigkeit der gesamten Charge führen.
  1. Vorreinigung am Einsatzort
    Unmittelbar nach dem Eingriff werden grobe Blutrückstände und Gewebereste entfernt, bevor sie antrocknen. Angetrocknetes organisches Material beeinträchtigt die Desinfektionswirkung im RDG und kann die anschließende Sterilisation gefährden.
  2. Maschinelle Reinigung & Desinfektion im Thermodesinfektor (RDG)
    Der Thermodesinfektor reinigt die Instrumente vollautomatisch mit validierten Temperaturen und Reinigungsmitteln. Für die Instrumentenaufbereitung in der Augenklinik ist ein RDG mit Hohlkörperspülung zwingend erforderlich – nur so werden enge Lumina von innen durchgespült. Die aktive Heißlufttrocknung stellt sicher, dass keine Restfeuchtigkeit verbleibt, die die nachfolgende Sterilisation verhindert.
  3. Sichtprüfung & Funktionskontrolle
    Jedes Instrument wird nach der Reinigung visuell auf Sauberkeit und Beschädigungen geprüft. Defekte Instrumente werden aussortiert, Gelenke bei Bedarf gepflegt.
  4. Verpackung im Sterilisationsbeutel
    Die gereinigten Instrumente werden in zugelassene Sterilisationsbeutel (Papier-Folie-Kombinationen) verpackt und mit einem validierten Siegelgerät verschlossen. Die Verpackung schützt das Instrument bis zum Einsatz vor Rekontamination.
  5. Dampfsterilisation im Klasse B Autoklav
    Der Klasse B Autoklav ist die einzige Autoklav-Klasse, die für verpackte Instrumente und Hohlkörper zugelassen ist. Das fraktionierte Vorvakuumverfahren ermöglicht die vollständige Sterilisation auch in Lumina und innerhalb der Verpackung. Klasse N- oder S-Geräte sind für ophthalmologische Instrumente nicht zulässig.
  6. Freigabe & digitale Chargendokumentation
    Jede Sterilisationscharge wird geprüft und freigegeben. Alle Parameter – Temperatur, Druck, Zeit, Datum, Verantwortlicher – werden dokumentiert und können dem jeweiligen Patienten zugeordnet werden. Dies ist nach MPBetreibV §8 gesetzlich verpflichtend.
  7. Sterile Lagerung & Kennzeichnung
    Sterile Instrumente werden trocken und staubgeschützt gelagert. Jedes Paket trägt Sterilisationsdatum, Verfallsdatum und Farbwechselindikator.

Geräteausstattung – was wird benötigt und warum

Thermodesinfektor mit Hohlkörperspülung

Der Thermodesinfektor (RDG) ist das zentrale Reinigungsgerät im Aufbereitungsraum. Für Augenkliniken gelten zwei nicht verhandelbare Anforderungen: Das Gerät muss Hohlkörper aktiv durchspülen können – also unter Druck Wasser durch die Lumina von Kanülen und Handstücken pressen – und es muss über eine aktive Heißlufttrocknung verfügen. Ein RDG ohne diese Eigenschaften ist für die ophthalmologische Instrumentenaufbereitung nicht geeignet.
Meistgekauft in Augenkliniken
Miele Thermodesinfektor PWD 8692 [DT DC5 LAN]
Mit Hohlkörperspülung (DC5) und aktiver Heißlufttrocknung – validierbar nach DIN EN ISO 15883
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Wasseraufbereitungssystem

Sowohl der Thermodesinfektor als auch der Autoklav dürfen ausschließlich mit demineralisiertem, gefiltertem Wasser betrieben werden. Leitungswasser enthält Kalk und Mineralien, die Ablagerungen in Dampfleitungen und Kammern bilden, die Sterilisationsqualität beeinträchtigen und die Geräte dauerhaft schädigen. Ein Wasseraufbereitungssystem – etwa von Miele oder Stakpure – versorgt beide Geräte automatisch.
⚠️ Leitungswasser ist für die Instrumentenaufbereitung in der Augenklinik ungeeignet. Es gefährdet die Sterilisationsqualität, kann Geräte beschädigen und Garantieansprüche verwirken.

Klasse B Autoklav – Sterilisation hohler und verpackter Instrumente

Der Klasse B Autoklav ist für Augenkliniken das einzige zugelassene Sterilisationsgerät. Er arbeitet mit einem fraktionierten Vorvakuumverfahren: Luft wird in mehreren Zyklen aus der Kammer und aus Hohlräumen der Instrumente herausgepumpt, bevor Dampf eindringt. Nur so wird vollständige Sterilisation auch in Lumina und Verpackungen erreicht – Klasse N- und S-Geräte sind für dieses Instrumentenspektrum nicht zulässig.
Die Kammergröße richtet sich nach dem täglichen Instrumentendurchsatz: Für kleinere ophthalmologische Praxen eignet sich das 23-Liter-Modell, größere Kliniken mit mehreren OP-Sälen benötigen das 45-Liter-Gerät.
Empfehlung – mittlerer Durchsatz
Steri24 Klasse B Autoklav Premium 23L
Für ophthalmologische Praxen und kleinere Tageskliniken
Empfehlung – hoher Durchsatz
Steri24 Klasse B Autoklav Premium 45L
Für größere Augenkliniken mit mehreren OP-Sälen

Digitale Chargendokumentation

Die lückenlose Dokumentation jeder Sterilisationscharge ist nach MPBetreibV §8 gesetzlich verpflichtend. Im Schadensfall muss nachgewiesen werden, dass das verwendete Instrument ordnungsgemäß sterilisiert wurde. Mit SteriTrace Pro geschieht dies vollautomatisch und papierlos: Jeder Autoklav-Lauf wird mit allen Parametern erfasst und kann direkt einem Patienten zugeordnet werden.
Empfehlung Dokumentation
SteriTrace Pro
Papierlose, patientenbezogene Chargendokumentation – MPBetreibV-konform

Ultraschallreiniger – nicht erforderlich

In Einrichtungen mit einem validierten Thermodesinfektor ist ein zusätzlicher Ultraschallreiniger nicht notwendig. Das RDG übernimmt die maschinelle Reinigung vollständig – einschließlich der Hohlkörperspülung, die ein Ultraschallbad allein nicht leisten kann. Eine Doppelausstattung wäre eine unnötige Investition.

Checkliste – Geräteausstattung Augenklinik

Zusammenfassung der benötigten Geräte für eine vollständig RKI-konforme Instrumentenaufbereitung in der Augenklinik:
  • Klasse B Autoklav – 23L oder 45L je nach Durchsatz Einzige zugelassene Autoklav-Klasse für verpackte und hohle Instrumente
  • Thermodesinfektor mit Hohlkörperspülung & Heißlufttrocknung Miele PWD 8692 – maschinelle Reinigung und Desinfektion aller Instrumente inkl. Lumina
  • Wasseraufbereitungssystem Demineralisiertes Wasser für Autoklav und RDG – Leitungswasser ungeeignet
  • SteriTrace Pro – Digitale Chargendokumentation Gesetzlich vorgeschrieben nach MPBetreibV §8 – papierlos und patientenbezogen
  • Siegelgerät & Sterilisationsbeutel Keimdichte Verpackung vor der Sterilisation
  • Ultraschallreiniger – nicht benötigt Bei vorhandenem RDG mit Hohlkörperspülung überflüssig

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